KW34: Flexibilität wird zum Schlüssel für Netzanschluss und Power Availability
Die zentrale Frage der Energieinfrastruktur verändert sich: Nicht nur elektrische Kapazität zählt, sondern ob ein Projekt nachweisen kann, dass es flexibel, effizient und systemdienlich arbeitet.
Executive Summary
In dieser Woche zeichnet sich im europäischen Energieinfrastrukturmarkt eine weitere bemerkenswerte Entwicklung ab: Die Frage, ob elektrische Kapazität verfügbar ist, wandelt sich von „Verfügt das Netz über ausreichende Kapazität?“ zu „Kann das Projekt nachweisen, dass es ausreichend flexibel, effizient und systemdienlich ist?“
Bayernwerk hat begonnen, die Vergabe von Netzanschlusskapazitäten für große Speicher und große Verbraucher zu verändern. Bei Speicherprojekten mit einer Ladeleistung von mehr als 300 kW wird nicht mehr ausschließlich nach dem Prinzip „first come, first served“ verfahren.
Gleichzeitig wächst der europäische Speichermarkt weiter. Nach Angaben der EASE erreichte der Zubau von Batteriespeichern in Europa im Jahr 2025 rund 36 GWh, ein Wachstum von etwa 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die kumulierte Kapazität überschritt erstmals 100 GWh.
Auch der Lademarkt zeigt neue Dynamik: Im ersten Halbjahr 2026 stiegen die Zulassungen emissionsfreier schwerer Nutzfahrzeuge in Europa um 79 Prozent. AIDC verstärkt den Trend zusätzlich, da Rechenzentren zunehmend aktive Schnittstellen zum Stromnetz benötigen.
Power Availability Is the Bottleneck – Flexibility Determines Who Can Access It.eLKW-Depots werden Energiesysteme
Mehr elektrische Nutzfahrzeuge erhöhen den Bedarf an DC Charging, Lastmanagement, BESS und mobiler Notfallladung.
Flexibility beeinflusst Grid Access
Bayernwerk bewertet bei großen BESS und Verbrauchern künftig Projektfortschritt, Flexibilität und Systemdienlichkeit.
Data Center werden Grid Interface
BESS, UPS, Grid-forming PCS, Power Quality und EMS werden zu Schnittstellen zwischen Rechenzentrum und Stromnetz.
Ladeinfrastruktur
Zulassungen emissionsfreier schwerer Nutzfahrzeuge in Europa steigen um 79 Prozent
Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Europa rund 3.400 emissionsfreie schwere Nutzfahrzeuge neu zugelassen. Das entspricht einem Wachstum von 79 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Anteil an den Neuzulassungen schwerer Lkw stieg auf 2,3 Prozent.
Besonders bemerkenswert ist Deutschland: Der Marktanteil emissionsfreier schwerer Nutzfahrzeuge erreichte rund 4,6 Prozent und lag damit deutlich über dem europäischen Durchschnitt.
- DC Charging deckt planbaren Energiebedarf im Depot ab.
- BESS reduziert Peak Demand und Energiekosten.
- EMS verteilt begrenzte Netzkapazität dynamisch.
- Mobile V2V-Lader erhöhen Resilienz bei Ausfällen oder temporären Aufgaben.
Der nordische HPC-Markt tritt in eine Konsolidierungsphase ein
E.ON Drive Infrastructure und Clever beenden ihr rund acht Jahre bestehendes Scandinavian HPC Joint Venture. Das bisherige Netzwerk umfasst 37 Autobahnstandorte und 157 Schnellladeeinrichtungen.
Die Standorte sollen künftig von Clever, E.ON Drive Infrastructure und Uno-X Mobility jeweils eigenständig betrieben werden. Die Entwicklung zeigt, dass reifere Lademärkte von der Ausbauphase in eine Phase der Optimierung übergehen.
Der Wettbewerb im eLKW-Laden verlagert sich von der Hardware zum Betriebserlebnis
Die deutsche eTrucker-App erweitert ihre Funktionen für die Routen- und Ladeplanung elektrischer schwerer Nutzfahrzeuge. Neben Ladestationen werden nun auch Lenk- und Ruhezeiten, Fleet Charging Cards, Preisniveaus und Trailer-Prozesse berücksichtigt.
Batteriespeicher, PV & Flexibility
Bayernwerk verändert Regeln für den Netzanschluss großer BESS
Bayernwerk Netz verändert die Vergabe von Netzanschlusskapazitäten für große Speicher und große Verbraucher. Der neue Mechanismus betrifft Speicherprojekte mit einer Ladeleistung von mehr als 300 kW sowie große Verbraucher mit einer Anschlussleistung von mehr als 1 MW.
Projekte sollen künftig nicht nur nach Antragsreihenfolge, sondern nach Projektfortschritt, Flexibility, gemeinsamer Ansiedlung mit erneuerbaren Energien, lokaler Infrastruktur und Beitrag zu Klimazielen priorisiert werden.
- EMS kann maximalen Netzbezug begrenzen.
- BESS kann Peak Shaving durchführen.
- Steuerbare Lasten können zeitlich verschoben werden.
- PV und Storage können koordiniert betrieben werden.
Kumulierte Batteriespeicherkapazität in Europa überschreitet 100 GWh
Nach Angaben des europäischen Speicherverbands EASE wurden in Europa im Jahr 2025 rund 36 GWh Batteriespeicherkapazität neu installiert. Dies entspricht einem Wachstum von etwa 48 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die kumulierte Batteriespeicherkapazität überschritt damit erstmals 100 GWh. Deutschland, das Vereinigte Königreich und Italien zählen weiterhin zu den führenden Märkten.
Neue deutsche Utility-Scale-PV-Ausschreibung: 2,135 GW und sinkende Zuschlagswerte
Die Bundesnetzagentur hat in der jüngsten Ausschreibungsrunde für Freiflächen-Photovoltaik 2,135 GW vergeben. Der durchschnittliche Zuschlagswert lag bei 0,0479 €/kWh, der niedrigste Wert bei rund 0,0438 €/kWh.
Die Runde war deutlich überzeichnet: Insgesamt wurden Projekte mit einer Leistung von 3,17 GW eingereicht.
Österreich verlagert Förderung von zusätzlicher PV zu Storage + EMS
Österreich richtet seine Förderpolitik neu aus. Ab 2027 sollen Smart Storage, die Nachrüstung bestehender PV-Anlagen mit Speichern, Energy Management Systems und die Flexibilisierung des Energiesystems stärker unterstützt werden.
Studien zufolge könnten bis 2030 bis zu 8 GW marktbasierte Speicherkapazität in Österreich wirtschaftlich sinnvoll sein.
KI-Rechenzentren & Energieinfrastruktur
Kapazität europäischer Rechenzentren soll auf rund 13 GW steigen
CBRE erwartet, dass die Kapazität des europäischen Rechenzentrumsmarktes bis Ende 2026 um rund 20 Prozent auf 13 GW wachsen wird. Allein im zweiten Quartal 2026 wurden in Europa nahezu 700 MW neue Rechenzentrumskapazität hinzugefügt.
Gleichzeitig bleibt die unzureichende Verfügbarkeit von Strom eine der wichtigsten Einschränkungen für das Wachstum des europäischen Rechenzentrumsangebots.
Irland verlangt schnelle Wiederherstellung der Last nach Netzstörungen
Irland verschärft technische Anforderungen an große Rechenzentren. Nach bestimmten Netzstörungen dürfen große Data Center nicht einfach vollständig vom Netz gehen. Nach Wiederherstellung der Spannung müssen sie innerhalb von etwa 500 ms mindestens 90 Prozent der Last vor der Störung wiederherstellen.
Der Speicherbedarf von Rechenzentren könnte 2030 bei 20–25 GW liegen
Der CEO von AVEVA erwartet, dass Rechenzentren bis 2030 weltweit rund 20–25 GW Batteriespeichersysteme einsetzen könnten, um Flexibilität und Versorgungssicherheit ihrer Energiesysteme zu erhöhen.
- Peak Shaving
- Backup Support
- Renewable Integration
- Grid Support
- Power Quality Support
Entratek Insight: Flexibility Is Becoming a Grid-Access Product
In der vergangenen Woche haben wir festgestellt: Power Availability Is Becoming the New Infrastructure Bottleneck. Die Marktentwicklungen dieser Woche führen diese Einschätzung einen Schritt weiter:
In Deutschland zeigt sich dieser Trend bereits sehr konkret. Bayernwerk verteilt begrenzte Netzkapazitäten nicht mehr ausschließlich nach der Reihenfolge der Anträge, sondern berücksichtigt zunehmend, ob ein Projekt über Flexibility verfügt.
Gleichzeitig zeigt die Ausweitung der deutschen Utility-Scale-PV-Ausschreibungen, dass das Angebot kostengünstiger erneuerbarer Energie weiter wächst. Je günstiger PV wird und je größer die angeschlossene Kapazität ausfällt, desto stärker steigt der Bedarf an Speichern, dynamischer Dispatch-Steuerung und Lastmanagement.
Auch europäische Rechenzentren stehen vor einer neuen Form von Flexibility. Große Verbraucher können nicht mehr nur eine stabile Stromversorgung verlangen. Sie müssen selbst über ein stärker steuerbares dynamisches Verhalten verfügen.
Damit beginnen Märkte, die auf den ersten Blick unterschiedlich erscheinen, eine gemeinsame technische Architektur zu bilden.
Grid Connection bestimmt, wie viel Basiskapazität ein Projekt erhalten kann. Power Electronics bestimmt, wie elektrische Leistung umgewandelt und verteilt wird. PV stellt kostengünstige erneuerbare Energie bereit. BESS verschiebt Leistung über die Zeit. EMS entscheidet, wann diese Leistung benötigt wird und wie Erzeugung, Speicherung und Lasten dynamisch koordiniert werden.
Die zentrale Wettbewerbsfrage der nächsten Phase lautet daher nicht mehr nur: „Wie viele MW benötigt mein Projekt?“ Sondern: „Wie flexibel kann mein Projekt diese MW nutzen?“
Für eLKW-Depots, Industrieparks, BESS, PV, Stadtwerke und KI-Rechenzentren wird Flexibility zunehmend zur Verbindung zwischen Grid Access, Asset Optimization und Power Availability.
Planen Sie ein Energieinfrastruktur-Projekt?
Ob eLKW-Depot, BESS, PV + Speicher, EMS oder AI-nahe Energieinfrastruktur: Entratek unterstützt Unternehmen bei der Planung integrierter, flexibler und zukunftssicherer Energiesysteme.
Wir prüfen gemeinsam Netzanschluss, Ladeleistung, Speicherbedarf und Energiemanagement.
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FAQ: Energieinfrastruktur in KW34
Warum wird Flexibility zum Grid-Access-Faktor?
Weil Netzanschlusskapazität zunehmend knapp wird. Projekte, die Lasten verschieben, Peak Demand reduzieren und systemdienlich reagieren können, könnten künftig bessere Chancen auf Netzanschlusskapazität haben.
Welche Rolle spielt EMS bei Netzanschluss und Power Availability?
EMS koordiniert Erzeugung, Speicher, Lasten und Netzanschluss. Dadurch wird es nicht nur zur OPEX-Optimierung, sondern zunehmend zur Infrastrukturebene zwischen Grid Access, Asset Optimization und Power Availability.
Warum werden eLKW-Depots zu Energiesystemen?
Weil Ladeleistung, Abfahrtszeiten, Fahrzeugprioritäten, Netzkapazität, BESS, mobile Ladeoptionen und Betriebssicherheit gemeinsam geplant werden müssen. Ein Depot ist nicht nur ein Ladeplatz, sondern ein dynamisches Energiesystem.
Warum ist Storage + EMS wichtiger, wenn PV günstiger wird?
Je mehr günstige PV-Energie mittags verfügbar ist, desto wichtiger wird die Fähigkeit, diese Energie zeitlich zu verschieben, Lastspitzen zu reduzieren und Erzeugung, Speicher und Verbrauch intelligent zu koordinieren.
Was bedeutet Time-to-Power für AI-Rechenzentren?
Time-to-Power beschreibt, wie schnell ein Standort nutzbare elektrische Leistung bereitstellen kann. Für AI-Rechenzentren kann dies entscheidender sein als Grundstück, Glasfaser oder Kapital, weil ohne Strom keine IT Capacity entsteht.