E-Lkw-Depot elektrifizieren: Ladeinfrastruktur & Netz planen | Entratek

RATGEBER · E-LKW-LADEINFRASTRUKTUR

E-Lkw-Depot wirtschaftlich elektrifizieren

Vom ersten E-Lkw bis zur elektrifizierten Flotte: Warum eine wirtschaftliche Depotplanung mit Fahrprofil und Standzeiten beginnt – und nicht mit der Auswahl der Ladestation.

E-Lkw-Depot bei Nacht: Lkw-Flotte lädt an Ladesäulen vor einer Logistikhalle mit PV-Dach
6–12 h
typisches Ladefenster beim Nachtladen
15–90 min
typisches Ladefenster beim Zwischenladen
40 kW
Schrittweite dynamischer Leistungsverteilung

Die Elektrifizierung einer Lkw-Flotte beginnt häufig mit einer scheinbar einfachen Frage: Welche Ladestation brauchen wir für unsere neuen E-Lkw? Für eine wirtschaftliche Planung ist diese Frage jedoch zu früh gestellt.

Denn die passende Ladeinfrastruktur hängt nicht allein von der maximal möglichen Ladeleistung eines Fahrzeugs ab. Entscheidend sind der tägliche Energiebedarf, die Standzeit, die nächste Abfahrt, der vorhandene Netzanschluss und die geplante Entwicklung der Flotte.

Ein Unternehmen, das heute drei E-Lkw betreibt und in fünf Jahren 20 Fahrzeuge elektrifiziert haben möchte, benötigt deshalb keinen einzelnen Ladepark – sondern einen Ausbaupfad.

01Wie viel Ladeleistung braucht ein E-Lkw-Depot wirklich?

Ausgangspunkt sollte der tatsächliche Fahrzeugbetrieb sein.

Benötigte EnergiekWh
Verfügbare Ladezeith
Erforderliche LadeleistungkW

Ein E-Lkw, der über Nacht viele Stunden auf dem Betriebshof steht, kann seinen Energiebedarf mit deutlich geringerer Durchschnittsleistung decken als ein Fahrzeug, das nach kurzer Zwischenladung wieder auf Tour muss.

Entratek unterscheidet deshalb grundsätzlich zwischen zwei Ladestrategien:

  • Nachtladen mit langen Standzeiten – typischerweise sechs bis zwölf Stunden.
  • Zwischenladen mit kurzen Ladefenstern – typischerweise 15 bis 90 Minuten.
Nicht fragen: „Wie viel kW kann mein Lkw laden?“
Sondern: „Wie viele kWh benötigt er bis zur nächsten Tour – und wie viele Stunden stehen dafür zur Verfügung?“ Diese Umkehrung der Fragestellung kann erhebliche Auswirkungen auf die Investitionskosten haben.
Vergleichsgrafik: Nachtladen (600 kWh, 6–12 h, 50–100 kW) versus Zwischenladen (600 kWh, 0,25–1,5 h, 400–1.200 kW) bei E-Lkw
Nachtladen und Zwischenladen im direkten Vergleich: gleiche Energiemenge, sehr unterschiedliche erforderliche Ladeleistung.

02Warum 10 × 100 kW nicht automatisch 1 MW Netzanschluss bedeuten

Ein häufiger Planungsfehler besteht darin, die maximale Leistung aller Ladepunkte zu addieren. Zehn Ladepunkte mit jeweils 100 kW ergeben technisch zwar 1 MW installierte Ladeleistung. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass alle Fahrzeuge gleichzeitig diese Leistung benötigen.

Beispielsweise können Fahrzeuge unterschiedliche Rückkehrzeiten haben, unterschiedliche Energiemengen benötigen, unterschiedlich früh wieder abfahren und über mehrere Stunden geladen werden. Ein intelligentes Lastmanagement kann die vorhandene Leistung deshalb dynamisch verteilen: Ein Fahrzeug, das um 4 Uhr wieder startet, wird priorisiert; ein zweites, das bis 7 Uhr steht, erhält seine Energie später.

Die relevante Größe ist deshalb die tatsächliche Gleichzeitigkeit – nicht allein die Summe der Typenschildleistungen.

03Reicht der vorhandene Netzanschluss?

Die nächste Frage lautet: Wie viel Leistung steht überhaupt für die Fahrzeuge zur Verfügung? Ein Standort mit beispielsweise 600 kW Netzanschluss kann nicht automatisch 600 kW für E-Lkw nutzen – bestehende Verbraucher müssen berücksichtigt werden.

Netzanschlussz. B. 600 kW
− GebäudelastenHeizung, Beleuchtung, IT
− Produktion / Kühlung / Werkstattbetriebsabhängig
− sonstige Verbraucherbetriebsabhängig
= verfügbare Leistung für LadeinfrastrukturErgebnis

Deshalb sollte möglichst früh ein Lastgang des Standorts ausgewertet werden. Er zeigt nicht nur den höchsten Verbrauch, sondern auch, wann freie Leistung vorhanden ist – gerade für die Nachtladung kann das einen erheblichen Unterschied machen.

04Wann lohnt sich ein Batteriespeicher für E-Lkw?

Ein Batteriespeicher (BESS) ist nicht automatisch erforderlich, nur weil E-Lkw geladen werden. Zunächst sollte geprüft werden, ob vorhandener Netzanschluss, Standzeiten und intelligentes Lastmanagement den Ladebedarf bereits abdecken können.

Interessant wird ein Speicher insbesondere dann, wenn mehrere wirtschaftliche Anwendungen zusammenkommen:

Booster für Schnellladung

Der Netzanschluss liefert z. B. 300 kW, kurzfristig werden jedoch 500 kW Ladeleistung benötigt. Der Speicher stellt die Differenz zeitweise bereit.

Peak Shaving

Kurze Leistungsspitzen werden durch den Speicher reduziert, statt den gesamten Standort dauerhaft auf diese Spitzenleistung auszulegen.

PV-Eigenverbrauch

Überschüssige PV-Erzeugung am Tag wird gespeichert und später für Fahrzeuge genutzt.

Strompreisorientierter Betrieb

Energie wird – abhängig vom Tarif- und Betriebskonzept – in günstigeren Zeitfenstern bezogen und später genutzt.

Die entscheidende Frage lautet nicht „Brauchen wir einen Batteriespeicher?“, sondern: „Welche Aufgabe soll der Speicher übernehmen – und spart oder verdient er dadurch ausreichend Geld?“

05Heute drei E-Lkw – was passiert bei 20?

Hier entscheidet sich, ob eine zunächst günstige Lösung langfristig tatsächlich wirtschaftlich bleibt. Angenommen, die Flotte wächst wie folgt:

JahrAnzahl E-Lkw
20263
20288
203015
203220

Dann bestehen grundsätzlich zwei Risiken:

Zu groß bauen

Komplette Infrastruktur für 20 Fahrzeuge heute installieren

Vorteil: maximale Reserve. Nachteil: Kapital wird jahrelang in ungenutzter Infrastruktur gebunden.

Zu klein bauen

Ausschließlich für drei Fahrzeuge planen

Vorteil: niedrige Anfangsinvestition. Nachteil: Bei acht oder 15 Fahrzeugen müssen Leistungselektronik, Leitungen oder andere Infrastruktur möglicherweise erneut angepasst werden.

Der wirtschaftlichere Ansatz: modular planen. Die erste Ausbaustufe deckt den aktuellen Bedarf. Gleichzeitig werden Architektur und Infrastruktur so gewählt, dass zusätzliche Ladepunkte und Leistung später möglichst einfach ergänzt werden können. Nicht heute für 20 E-Lkw bezahlen – aber für drei so planen, dass bei 20 nicht neu gebaut werden muss.

06Welche Rolle spielt eine modulare Ladeplattform wie Power Eagle X?

Für den modularen Ansatz eignen sich insbesondere Satelliten-Ladesysteme. Bei Entratek Power Eagle X befinden sich Leistungselektronik und Ladepunkte nicht gemeinsam in einer klassischen Ladesäule. Stattdessen gibt es einen zentralen Leistungsschrank als Leistungspool sowie Satelliten als Ladepunkte an den Stellplätzen.

Power Eagle X im Einsatz: zentraler Leistungsschrank mit Satelliten-Ladepunkten versorgt mehrere E-Lkw gleichzeitig im Depot
Power Eagle X: zentraler Leistungsschrank verteilt die Energie dynamisch auf die Satelliten-Ladepunkte an den Stellplätzen.

Die Plattform ist derzeit mit 480-, 960- und 1.600-kW-Leistungsschränken ausgelegt. Die Leistung kann in 40-kW-Schritten dynamisch zwischen den Ladepunkten verteilt werden. Mehrere Leistungsschränke lassen sich kaskadieren; auch unterschiedliche Leistungsschrank-Größen können kombiniert werden.

Der Vorteil für einen wachsenden Logistikstandort: Ladepunkte und Systemleistung müssen nicht zwangsläufig im gleichen Verhältnis und zum gleichen Zeitpunkt erweitert werden. Die technische Plattform unterstützt zudem unterschiedliche CCS2-Konfigurationen bis hin zu leistungsstarken flüssigkeitsgekühlten Varianten und MCS sowie die Integration mit EMS und BESS.

Investieren, wenn die Flotte wächst – statt ungenutzte Leistung Jahre im Voraus zu installieren.

07Welche Daten braucht Entratek für eine erste Depotplanung?

Für eine erste Bewertung sind noch keine umfangreichen Planungsunterlagen erforderlich.

  • Anzahl heutiger Lkw
  • Geplante E-Lkw 2027 / 2030 / 2035
  • km/Tag bzw. kWh/Tag
  • Rückkehrzeiten (Beginn Ladefenster)
  • Abfahrtszeiten (Ende Ladefenster)
  • Netzanschlussleistung
  • 15-Minuten-Lastgang
  • PV-Leistung
  • Weitere große Verbraucher

Aus diesen Daten lässt sich zunächst eine Energie- und Leistungsbilanz erstellen. Danach kann entschieden werden, welche Hardware tatsächlich erforderlich ist.

08Fünf Fehler, die Logistikunternehmen vermeiden sollten

1

Mit der Ladestation statt mit dem Fahrprofil beginnen

Die Infrastruktur muss zum Betrieb passen.

2

Installierte Ladeleistung mit benötigter Netzleistung gleichsetzen

Standzeiten und Gleichzeitigkeit berücksichtigen.

3

Nur die ersten Fahrzeuge betrachten

Mindestens einen mehrjährigen Ausbaupfad planen.

4

Batteriespeicher ohne Lastgang dimensionieren

Speichergröße und Geschäftsmodell müssen aus realen Daten entstehen.

5

Einzelkomponenten getrennt planen

Netzanschluss, Ladeinfrastruktur, BESS, PV und EMS beeinflussen sich gegenseitig.

09Der Entratek-Ansatz: vom Fahrzeug zum Energiesystem

Entratek verfolgt für E-Lkw-Depots eine klare Planungsreihenfolge:

  1. Flotte
  2. Fahrprofil & Standzeiten
  3. Energiebedarf
  4. Netz & Lastgang
  5. Ladestrategie
  6. ggf. BESS + PV
  7. EMS
  8. Modularer Ausbaupfad

Damit verschiebt sich auch die wirtschaftliche Zielgröße: nicht „Was kostet die Ladestation?“, sondern „Was kostet die Lade- und Energieinfrastruktur pro elektrifiziertem Lkw und pro geladener Kilowattstunde über den Ausbaupfad?“

Diese Logik entspricht dem strategischen Entratek-Zielbild: standardisierte Depotarchitekturen, datenbasierte Dimensionierung und ein Ausbaupfad aus Netz, BESS, DC-Laden und EMS mit dem Ziel niedriger Infrastruktur- und Energiekosten.

FAQHäufig gestellte Fragen zur E-Lkw-Depotplanung

Wie viel Ladeleistung braucht ein E-Lkw-Depot wirklich?

Nicht die maximale Ladeleistung des Fahrzeugs ist entscheidend, sondern der tägliche Energiebedarf in kWh im Verhältnis zur verfügbaren Standzeit. Nachtladen mit sechs bis zwölf Stunden Standzeit benötigt deutlich weniger Durchschnittsleistung als Zwischenladen mit 15 bis 90 Minuten Ladefenster.

Bedeuten 10 Ladepunkte mit je 100 kW automatisch 1 MW Netzanschluss?

Nein. Da Fahrzeuge unterschiedliche Rückkehr- und Abfahrtszeiten sowie Energiebedarfe haben, kann intelligentes Lastmanagement die vorhandene Netzleistung dynamisch verteilen, statt die Typenschildleistungen einfach zu addieren.

Wann lohnt sich ein Batteriespeicher (BESS) für E-Lkw-Depots?

Vor allem, wenn mehrere Anwendungen zusammenkommen: Booster bei Netzengpässen, Peak Shaving, PV-Eigenverbrauch oder Bezug von Energie in günstigen Tarifzeitfenstern. Vorher sollte geprüft werden, ob Netzanschluss, Standzeiten und Lastmanagement den Bedarf nicht bereits abdecken.

Wie plant man ein E-Lkw-Depot modular?

Modulare Ladeplattformen trennen Leistungselektronik (zentraler Leistungsschrank) von den Ladepunkten (Satelliten an den Stellplätzen). So lässt sich die erste Ausbaustufe am aktuellen Bedarf ausrichten, während Ladepunkte und Systemleistung später unabhängig voneinander erweitert werden können.

Welche Daten braucht man für eine erste E-Lkw-Depotplanung?

Anzahl heutiger und geplanter E-Lkw, täglicher Energiebedarf, Rückkehr- und Abfahrtszeiten, Netzanschlussleistung, ein 15-Minuten-Lastgang des Standorts, vorhandene PV-Leistung sowie weitere große Verbraucher am Standort.

E-Lkw-Depotcheck anfragen

Sie planen die ersten E-Lkw oder möchten Ihre bestehende Flotte erweitern? Entratek prüft anhand Ihrer Standort- und Flottendaten, wie ein möglicher Ausbaupfad aussehen kann.

  • Individuelle Einschätzung Ihres Ausbaupfads
  • Ladebedarf, erforderliche Leistung & mögliche Netzengpässe
  • Hinweise zu Lastmanagement, BESS-Einsatz & Ausbaustufen
  • Kostenlos & unverbindlich
Liweilan Ma Projekt- & Partnermanagerin, Entratek GmbH
lma@entratek.de · +49 160 97540163 · entratek.de

Wir melden uns in der Regel innerhalb von 1–2 Werktagen.

Ihr E-Mail-Programm öffnet sich gleich mit der vorausgefüllten Anfrage.

Bitte dort einfach absenden – oder direkt an lma@entratek.de schreiben.

© 2026 Entratek GmbHRatgeber: E-Lkw-Ladeinfrastruktur & Depotplanung